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9, Haha, Tautologie


Ich - Gegensatz - Gegen Mich Selbst

Ich weiß nicht, wer ich bin und wer ich war-
ein Fremder vor mir selbst- und neu für mich-
und alt wenn ich in den Spiegel sehe-
Ich glaubte, daß ich überall zu Hause sei- und
war schon heimatlos, bevor ich noch ganz dort war-

Ich war durchaus sehr zart- und fühle mich doch
kräftiger als alle- so stark manchmal- so schwach- so oft
(ich war verbuht und zäh- schwach und ohne Willen- ohne Mut)

Ich fürchte mich doch eigentlich vor nichts- und dabei fürchte ich oft alles-
Ich will nicht einsam sein- und sehne mich nach Einsamkeit, sobald ich nicht allein bin.

Ich will ja lernen, lernen und ich hasse meinen Schlaf, weil er die Zeit stiehlt-
aber ich bin so übervoll von mir-
Ich bin voller energiegeladener Ideen- und voll von Traurigkeit-
Ich will leben und ich will sterben- und ich tue beides oft-
Ich war neugierig auf das Glück- und sieh, ich hasse das Gefühl des Glücks-
Ich war in allem und wollte nirgends sein, wenn ich in allem war-
Ich glaubte stets an Gott- doch ich bespuckte ihn, und habe auch ein Kruzifix verbrannt-
und auch mein Kreuz und die Madonna fortgeworfen-

Ich liebe meine Sonne- und ich hasse sie, weil ich begreife, daß ich ihr nicht entkommen kann-
Ich liebe Huren, Diebe und vielleicht auch Mörder- weil ich ihr Schicksal liebe-
wenn sie eines haben-
und auch die Verrückten, wie sie die Menschen nennen- sie sind wie Blinde, die schon lange sehen- auch alle Huren stehen über uns, weil sie so viel zu leiden haben-

Ich fliehe jeden Tag- und wenn die Nacht kommt, und so stehenbleibt
die ganzen stundenlosen Stunden,
dann bin ich so sehr krank, weil es nicht Tag ist.

Ich flehe Gott um Schutz- und höhne ihn und mich danach, wenn er es tut-
und muss dann wieder fliehen- und wenn ich ausgesetzt bin und zerissen werde,
dann flehe ich um neuen Schutz.

Ich hasse alle Kinder- und doch knie ich nieder, wo ich eines seh.

Ich suche mich- und wenn ich mich gefunden habe, bin ich mein größter Feind.

Mir brennt die eigne Haut wie Feuer-
und mein Blut ist wie ein unberechenbares Tier-
Ich flieh vor mir und meinem Leben- und ich hasse mich, der mich vernichten will.

Aber ich bitte Gott um Schmerz und schweres Leben-
und um Gedanken nach dem Fieber-
Ich will für jede Blume leiden, wenn sie lebend stirbt-
und will auf immer dankbar sein, wenn es in jedem Jahre Frühling wird-
und will die Kraft abwarten nach dem Schmerzen.

Gott gibt mir die Kraft die Zwischenzeiten auszutragen- ohne Schrei und gibt mir Demut für den großen Schoß.

Klaus Kinski




Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von I. Zeidler.